Winterschlussverkauf: Ein historisches Ereignis?

Anlässlich des Winterschlussverkaufs analysiert Worldpanel by Numerator die Entwicklung der Rolle des Schlussverkaufs beim Modekauf der Franzosen. Auch wenn dieses Ereignis nach wie vor fest im Konsumverhalten verankert ist, hat seine wirtschaftliche Bedeutung zugunsten von Sonderangeboten während des ganzen Jahres deutlich abgenommen.

Die 5 Fragen an Hélène Janicaud, Expertin für Fashion Worldpanel von Numerator.

1.     Sind die Winterschlussverkäufe nach wie vor ein unverzichtbares Ereignis oder regen sie nicht mehr wirklich zum Kauf an? 

Les soldes conservent une forte attractivité dans l’esprit des consommateurs :72 % des Français déclarent attendre les soldespour réaliser leurs achats de mode. En pratique,70 % achètent effectivement pendant les périodes de soldes(cumul été + hiver).

Allerdings nimmt ihre strukturelle Bedeutung langfristig deutlich ab: Im Jahr 2015 kauften 82 % der Franzosen Mode während des Schlussverkaufs, gegenüber 70 % heute. Das durchschnittliche Budget pro Person sank von213 € auf 149 €. Der Schlussverkauf machte 2015 21 % des Jahresumsatzes des Mode-/Textilmarktes* aus, gegenüber 14 % heute.

Dieser Rückgang muss im Zusammenhang mit der Entwicklung des Handelsumfelds gesehen werden: Die Dauer der Schlussverkäufe wurde von zwei Zeiträumen à sechs Wochen im Jahr 2015 auf zwei Zeiträume à vier Wochen heute verkürzt, was automatisch zu einem Rückgang des Einkaufsvolumens in diesen wichtigen Zeiträumen führt.

Parallel dazu sehen sich die Schlussverkäufe einer verstärkten Konkurrenz durch Sonderangebote während des restlichen Jahres ausgesetzt. Sonderangebote machten 2015 22 % der Marktumsätze aus, heute sind es 32 %. Die Verbraucher entscheiden nun verstärkt zwischen Schlussverkäufen, Privatverkäufen, Sonderangeboten und gezielten Rabatten während des ganzen Jahres. 

 

2.     Welche Sonderangebote sind für Franzosen am interessantesten? 

Fast jeder zweite Franzose (43 %) findet Sofortrabatte sehr interessant, und30 % Rabatt sindfür 41 % der Franzosendie Mindestschwelle, um ein Angebot als attraktiv zu bewerten. Dagegen finden nur 21 % einen Gutscheincode, der im Geschäft eingelöst werden kann, interessant.

 

3.     Winterschlussverkauf vs. Sommerschlussverkauf: gleicher Erfolg? 

Les soldes d’hiver et d’été rencontrent un niveau de succès comparable.
En été, les Français(es) achètent en moyenne une pièce de plus qu’en hiver. En hiver, les achats portent sur des articles plus valorisés, ce qui se traduit par un prix moyen à l’article plus élevé :16,8 € en hiver, contre 14,8 € en été.

Während des Winterschlussverkaufs konzentrieren sich die Franzosen beim Einkaufen auf Erwachsenenmode und nutzen diese Zeit, um in bestimmte Kleidungsstücke zu investieren: Mäntel und Daunenjacken, Hemden, Hosen, Jeans und T-Shirts für Männer, während Frauen sich eher für Kleider, Dessous und Schuhe interessieren, insbesondere Sneakers und Sommermodelle.

 

4.     Welche Handelsketten und Marken sind während des Schlussverkaufs besonders erfolgreich? 

Während des Schlussverkaufs ändern sich die Konsumgewohnheiten hinsichtlich der Vertriebskanäle kaum: Etwas mehr als ein Fünftel der Ausgaben wird online getätigt (22 %), während die große Mehrheit weiterhin in physischen Geschäften erfolgt, auf die fast 80 % der Einkäufe entfallen.

Einige Schaltkreise schneiden besonders gut ab:

· Die Kaufhäuser verzeichnen während des Schlussverkaufs einen fast doppelt so hohen Marktanteil, der fast 7 % erreicht, gegenüber 3,6 % im gesamten Jahr.

· Verbraucher bevorzugen außerdem zunehmend: unabhängige Geschäfte, Ketten in Innenstädten und Einkaufszentren sowie Ketten in Vororten.

Was die Marken angeht, so erzielen Galeries Lafayette, Printemps, Armand Thiery, Zalando oder auch Lacoste während des Schlussverkaufs überdurchschnittliche Ergebnisse, was auf ein hochwertigeres Angebot in dieser Zeit hindeutet.

 

5.     Wintersold: ein historisches Ereignis? 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Winterschlussverkäufe nach wie vor einen festen Platz in der kollektiven Vorstellung haben, ihre Rolle sich jedoch gewandelt hat. Sie sind weniger zentral, unterliegen einem stärkeren Wettbewerb, bleiben aber dennoch ein strategischer Zeitpunkt, um zu günstigeren Preisen oft hochwertigere Produkte zu erwerben, in einem Umfeld, in dem Sonderangebote mittlerweile das ganze Jahr über angeboten werden.

 

Methodik: Worldpanel by Numerator – Mode – *Mode/Textilien: Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Heimtextilien – Analyse der gesetzlichen Schlussverkäufe von 2015 bis 2025. 

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